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Auf geaht's zum Ball von die Wettersteiner! 
Auf geaht's zum Ball von die Wettersteiner!

Mit dem MTB vom Rhone-Knie zur Cote d´Azur

08.01.2020

Mit dem MTB vom Rhone-Knie zur Cote d´Azur

„Westalpen Durchquerung Extrem“

- Mit dem MTB vom Rhone-Knie zur Cote d´Azur

Die Planung unseres Sommerurlaubs lief recht unkompliziert: ich schlage mein liebstes MTB-Alpencross-Buch auf, lese die Klassifikation mit „extrem“ und zeige Henrik die Tour- der liest und ist sofort dabei -Wir werden also in 6 Tagen von Martigny nach Nizza fahren.

Wenige Tage später, als ich die Tour noch einmal genauer unter die Lupe nehme, bekomme ich fast Angst vor den Eigenen Plänen… A Cappuccino-Tour wird das keine. Über 6 Tage sind täglich circa 100Km, mit durchschnittlich 3000 Höhenmetern inklusive längerer Tragepassagen zu meistern. Zudem liegt unser Zeitfenster Anfang September, was kürzere Tage, aber zumindest hoffentlich keine Gewitter verheißt. Wenige Tage vor dem Start schneit es bis auf 2200m herab.

Als wir mit den Rädern zum Haller Bahnhof rollen fühlt es sich noch etwas ungewohnt an nur mit dem Tagesrucksack bepackt tagelang per Bike am Berg unterwegs sein zu wollen. Aber schnell lernen wir das Minimalistische zu schätzen. Problemlos fahren wir mit dem Railjet nach Zürich und erreichen, nach einem weiteren Umstieg bei Genf, am späten Nachmittag Martigny. Henrik hat uns auf einem Campingplatz ein gerade bettgroßes Fasshaus gebucht. Das stimmt schon mal ein bisschen auf das einfache und intensive Leben der nächsten Tage ein.

Selten ist die Freude groß, wenn um 6 Uhr morgens der Wecker klingelt, aber heute ist so ein Tag. Über Nacht hat es geregnet, es ist recht frisch und die Gipfel der Walliser Alpen hüllen sich in Nebel. „Oben wird’s Schnee haben“ sagt Henrik. Aber die Vorfreude ist nicht zu dämpfen, denn momentan ist es trocken und das wollen wir nutzen. Unser erstes Etappenziel heißt heute Aosta, 3000 Höhenmeter sind zu bewältigen und gut 100 Kilometer. Mein gerade erst erneuertes Tubeless-System schwächelt etwas, auch nachpumpen hilft nur kurz. Wir gehen kein Risiko ein und steuern an der Auffahrt zum Großen St. Bernhard nochmal den Radelhändler an und nutzen die kurze Reparaturpause für einen ersten Kaffee Stopp –jetzt sind wir wirklich auf Tour. Zwischen Fionnay (1490m) und Mauvoisin (1900m) regnet es immer wieder, sodass wir dort in einer kleinen, vermutlich der letzten, urigen Hütte zum Tee und Aufwärmen einkehren. Auf Nachfrage wo wir bei dem Wetter noch hinwollen und Henrik sagt, dass wir über das Fen ê tre de Durand (2801m) nach Aosta fahren wollen, hält uns die Wirtin wohl für ziemlich verrückt. Auch wir haben Respekt vor diesem Abschnitt, aber sind fit, gut vorbereitet und das es den ganzen Tag laut der Wirtin nicht mehr besser wird ist daher weder Grund zur Sorge noch zum Umkehren. Durch spektakuläre, beleuchtete Tunnelsysteme entfliehen wir teilweise der Kälte, dem Wind und der Nässe und erreichen den grandios vor uns liegenden Stausee Lac de Mauvoisin. Tiefblau liegt dieser zwischen den in Nebelschwaden gehüllten Bergen, langsam wechselt das Grün um uns herum in Weiß. Ohne das wir noch irgendwen treffen, radeln wir bis zum Ende des Fahrweges auf knapp 2300 Metern, der Winter hat uns nun fest im Griff und wir können die Bikeschuhe auf der Trage/Schiebepassage mit 600 Höhenmetern auf Schneetauglichkeit prüfen. Der dichte Nebel erschwert die Distanzwahrnehmung und Orientierung an der Umgebung. Karte, GPS und Beschilderung lassen uns aber sicher zum Pass (2801m) finden und gut gestimmt die Schweiz nach Italien verlassen. Anfangs geht es mehr rutschend als fahrend durch Schnee und Schutt, bis dieser bald schon dem Abfahrsflow auf teils herrlichem Singletrail weicht. Almgelände wechselt in Wald, Wald zu Feld und Obstplantagen, ein paar malerische Orte liegen am Weg. Am Horizont grüßt schon das Gran Paradiso Massiv in der Abendsonne. Inklusive eines kleinen Gegenanstieg geht es 2400 Tiefenmeter hinab bis nach Aosta (583m).

Gestärkt von der Pizza, dem Aosta-Wein und einem „Café à la valdôtaine“ (Must have im Aostatal- Cafe mit Cognac, Anis, Zucker, Zitronensaft und Sahne) des letzten Abends, geht es in die 2. Etappe, die uns ca. 80km und wieder über 3000 Höhenmeter nach Bonneval-sur-Arc auf die französische Seite bringen soll. Aber wie so oft mit Plänen scheitern sie bei der Überprüfung an der Realität, doch dazu später. Bei sonnigem Wetter verlassen wir die Weinberge oberhalb von Aosta und für 40 Kilometer geht es hinauf ins wohl jedem, der schon am Gran Paradiso war, bekannte Örtchen Pont (1960m). Still, verschlafen und einsam liegt es da, belebt einzig und allein von den Bergsteigern, die über das Refugio Vittorio Emanuele II und das Rifugio Chabod den höchsten Berg Italiens besteigen wollen. Auch für uns heißt es ab hier Steigen, und zwar über eine 600 Höhenmeter Tragepassage in ein grandioses Hochtal in Richtung Colle del Nivolet (2612m). Kurz vor Erreichen der Passhöhe endet der kleine Pfad plötzlich an der Asphaltstraße vom der anderen Passseite. Einsamkeit wechselt zu geschäftigem Ausflugsverkehr. Der Blick vom Pass reicht weit über die Grajischen Alpen und den Nationalpark Gran Paradiso- beeindruckt halten wir inne, Erinnerungen an die Besteigung des Gran Paradiso werden wach. Auch wird am Pass der Blick frei auf unseren Weiterweg und dieser holt uns aus diesem Tagtraum zurück. Vor uns liegt der Colle della Losa (2950m), der wohl mit Abstand anspruchvollste Teil dieses Alpencrosses. Zudem haben wir heute schon 2600 Höhenmeter in den Beinen. Ursprünglich geplant und direkter Richtung Bonneval sur Arc führt der Col du Carro, von dem wir allerdings bereits zuvor über den Hüttenwirt der Carrot-Hütte erfragt haben, dass der Weg wegen eines Felssturzes derzeit nicht passierbar und das Drahtseil am Klettersteig komplett ausgerissen ist. Auch zeigt sich dieser Nordhang jetzt Anfang September schon tief winterlich. Henrik hat mit dem Colle della Losa eine vergleichbare Variante gefunden- 600 Höhenmeter als Tragepassage, teils drahtseilgesichert, auf der anderen Passseite müsste dann aber noch der Col de I‘Iseran überwunden werden. Wir rollen die vielen Kehren der geteerten Passstraße hinunter vorbei am Lago Agnel und Lago Serru bis zum markierten Schild der unbewirtschafteten Hütte Rifugio Pian della Balotta. Mein Bauchgefühl ist skeptisch, Henrik noch immer optimistisch, der Himmel über uns aber inzwischen wieder schwarz und es beginnt zu stürmen. Die Hütte erreichen wir nach circa 30 Minuten Schieben und Tragen. Dort beginnt ein nasser drahtseilgesicherter Aufschwung. Ich steige einen Teil des Steiges ohne Bike vor, um mir den Weiterweg zumindest anzuschauen. Ich fühle mich kraftlos, es beginnt zu regnen, am Colle della Losa schneit es und die Uhr zeigt inzwischen 17 Uhr. Es verbleiben 2 Stunden Tageslicht weitere 500 Höhenmeter zum Pass, 35 Kilometer Strecke und der Col de I‘Iseran auf Asphalt. Nach kurzem Überlegen treffen wir eine schwere, aber in dem Moment einzig machbare Entscheidung, der Colle della Losa ist in diesem Jahr für uns gestorben, die Vernunft hat gesiegt. Ein bisschen Enttäuschung macht sich trotzdem breit. Vermutlich wird hier schon so mancher gestanden sein und um die zwangsläufige Abfahrt Richtung Poebene nicht herumgekommen sein. Wir fahren noch ab bis Ceresole Reale im Nationalpark Gran Paradiso. Ein kleiner, verschlafener Ort, idyllisch gelegen am Lago di Ceresole. In der Abfahrt über einen breiten Vieh-Steig neben der Passstraße ereilt uns ein heftiger Schauer, beim Rückblick zum Pass möchte man da oben gerade wirklich nicht sein. Überall hängen die Plakate vom heurigen Giro d´Italia, die der Straße in diesem verträumten Landstrich zu neuem Asphalt verholfen hat. Die Lärchen werfen bereits ihre gelbbunten Nadeln ab.

Ein erneutes Kartenstudium am Abend bestätigt die bekannte Tatsache, dass es nichts fahrbares Richtung Süden gibt, die Lösung heißt hinab nach Turin. Anfangs immer wieder auf Trails geht es durch Märchenwald mit uralten Bäumen vorbei an verwunschenen alten Steinhäuschen. An den Felsen sieht man in der aufgehenden Morgensonne die ersten Kletterer und Boulderer. Später rollen wir auf Asphalt in Summe 90 Kilometer aus den Bergen heraus. Gerade noch mit dem geschulterten Rad Allein in Fels und Schnee könnte der Kontrast kaum größer sein. Von Turin starten wir mit dem Zug zurück in die Berge und an den Ort unseres geplanten Tagesziel -Susa (495 m) im Piemont. Susa liegt zu Füßen des beeindruckenden Rocciamelone (3538m) und ist geprägt von Zeugnissen der Römerzeit. Unsere abendliche Stadttour führt uns vorbei am Augustusbogen, dem Amphitheater, der Stadtbefestigung und dem Aquädukt. Während des köstlichen Abendessens überlegen wir, wie wir es schaffen zumindest einen Teil der entgangenen Strecke nachzuholen. Es wird uns unseren geplanten Pausetag in Susa kosten. Aber der Ehrgeiz treibt uns, die Enttäuschung über den verpassten Pass ist noch nicht ganz überwunden und so geht’s am „Pause“tag rückwärts hinauf von Susa auf den Col du Mont Cenis. Dieser verbindet die italienische Stadt Susa mit dem französischen Lanslebourg und bildet die Grenze zwischen den Grajischen Alpen im Norden und den Cottischen Alpen im Süden. Nie steil aber stetig hinauf pedalieren wir bei strahlendem Sonnenschein zur Italienisch-französischen Grenze und blicken auf den sich vor uns eröffnenden Lac du Mont Cenis. Nach Umrundung des Stausees wartet das gut besuchte Refuge du Petit Mont Cenis (2110m) mit einem Mittagsmenü aus selbstgemachten Schafswürstchen, Käse, Wein und typisch französischer Nachspeise (Yeah- endlich Crepes) auf uns. Gestärkt begeben wir uns nun auf die Spuren Hannibals, der hier am Col de Clapier (2477m) die Alpen über den Mont Cenis überquert haben soll. Statt der erhofften Hannibal-Spuren finden wir nur alten Stacheldraht aus späteren Kriegszeiten, nichts desto trotz geht uns Hannibal, wie er am Lac d´ Arpon mit seinem Heer und den Elefanten gerastet hat, nicht aus dem Kopf. Infotafeln mit Bildern über den Feldzug lassen uns Teil haben an einem Stück römisch-karthagischer Geschichte. Vom Pass blickt man bis nach Turin am Horizont. Uns führt ein fahrtechnisch anspruchsvoller Trail, der an den meisten Stellen keinen Fahrfehler zulässt, teils über alte ausgebaute Kurven steil hinab Richtung Susa. Die Abfahrt erfordert höchste Konzentration, es heißt das Rad gut zu lenken auf den 1000 Tiefenmetern, die in einer einzigen Flanke vor uns liegen. Loses Geröll, Wurzeln, der schmale Pfad, die Ausgesetzheit- all das verlangt den Kopf keine Sekunde auszuschalten. Wir wechseln ständig zwischen hoher Geschwindigkeit um über die Steine, Platten und das Geröll zu kommen und niederer Geschwindigkeit um auszubalancieren und die Serpentinen gut fahren zu können. Unten angekommen blicken wir hinauf und stellen fest, dass es von hier kaum vorstellbar ist in dieser Steilwand abfahren zu können.

Der fünfte Tag unserer Transalp wird von starken Regenschauern und Schnee in der Höhe überschattet. Unser Tag startete schon um 5 Uhr, weil er eigentlich mit 3600 Höhenmetern und 80 km sehr lang ist. Aber der Regen prasselt gnadenlos aufs Dach, Schnee bis auf 2000 Meter ist gemeldet, sodass Fahren mit dem Bike heute wohl nur Abschnittweise möglich wäre. Der angedachte Col dell`Assietta (2472m) und der weglose Col Mayt (2706m) sind aber lediglich vertagt. Nach der eingeschobenen Tour gestern wird der heutige Tag somit zum Ruhetag erklärt. Per Bus geht es über den Col de Montgenevre (1854 m) nach Brian ç on. Die Festungsanlage der Stadt hängt in den Nebelwolken und unser Blick schweift Richtung Col de Izoard (2764 m), der nach Abries (1543m), unserem Tagesziel, noch zu überqueren wäre. In Brian ç on regnet es unverändert stark, oben schneit es. Wir entscheiden uns mit dem Zug nach Mont Dauphin zu fahren und ab hier durch den Naturpark Queyras nach Abries die restlichen 40 km auf der Straße talein zu fahren. Zumindest hat da mal der Regen nachgelassen. In diesem einsamen Tal, das sich als Paddel- und Skitourenparadies herausstellt, erreichen wir Abries und werden am Abend in dieser Stille und Einsamkeit in unserem kleinen Hotel mit gebackenem Camembert verwöhnt. Die höchsten Gipfel um Abries sind der Bric Froid (3302m) und der Grand Glaiza (3293m) und wie wir an diesem Abend im gemütlich warmen Hotel hocken, wandert der Blick in die Skitourenbücher, die die Schönheit dieser Landschaft im Winter aufzeigen.

Auch am sechsten Tag wartet wieder eine gewaltige Etappe auf uns- wie gewohnt ca. 3000 Höhenmeter und 100 Kilometer gilt es durch das Ubaye-Tal bis nach Jausiers zu fahren. Die Gipfel sind auch hier rund um Abries nach dem Schnee der Vortage hübsch angezuckert und leuchten im Morgenlicht. Nach einem „Cafe au lait“ pedalieren wir in aller Herrgottsfrühe los, als es plötzlich beim Antreten bergauf einen Schnalzer tut. Henriks Kette hat es wüst zerfetzt, da hilft auch das mitgeführte Kettenschloss nichts mehr. Als wir uns anschauen wird klar, dass wir beide das Gleiche denken- Wo um alles in der Welt soll man an diesem verlassenen Fleckchen Erde mitten in der Offseason eine Kette herbekommen?! Eine kleine Odysee beginnt, in Ville Vieille (1379 m) ist der Radlhändler wegen Straßenbauarbeiten vor seiner Türe in den mehrwöchigen Urlaub entkommen, im geöffneten Touristenbüro kann man nur geöffnete Geschäfte außerhalb des Tals in Brian ç on ausfindig machen, das sind allerdings 70 km in die falsche Richtung. Kurzentschlossen greifen wir mit einem Fünkchen Hoffnung noch einmal selbst zum Telefon. In Saint Veran, dem letzten Ort im Seitental an unserer Route und nebenbei höchstgelegenen Ort der Alpen (2050m), findet sich ein wohnzimmergroßer Outdoorladen, der genau 2 Ketten auf Lager und tatsächlich geöffnet hat. Ich pedaliere die 15 km nach oben, Henrik schlägt sich mit mehreren Mitfahrgelegenheiten und zu Fuß durch und hat die Kette schon fix und fertig aufgezogen, als ich in den Laden schneie. Die Verkäuferin ist begeistert von unserer Tour und schenkt uns zum Abschluss noch ein bisschen Wegproviant –Merci beaucoup. Wir treten auf das am Lac de la Blanchet gelegene Refuge de la Blanchet (2499m), speisen hier exzellent in der Sonne, bevor es wieder heißt Radel buckeln für die nächsten 500 Höhenmeter, über viel Schutt hinauf zum Col de la Noire (2956m). Seinem Namen wird der Pass nicht gerecht-wir haben den Schnee mal wieder zentimeterdick unter den Sohlen. Der Blick reicht weit ins Ubayetal und es wartet die nächste technisch anspruchsvolle und wahnsinnig lange Abfahrt auf uns. 38 Kilometer und 1800 Höhenmeter sind es von hier noch nach Jausiers. Zuerst über grandiose Trails herrlich bergab, in ein beeindruckendes Tal mit vielen Schafen und großen Hütehunden, vorbei an den Resten eines abgestürzten Kleinflugzeuges, in eine enge Schlucht. Hier heißt es wieder absteigen und schieben, ansonsten läuft man Gefahr im Flussbett zu landen. Viele kleine verlassene Höfe und Häuser passieren wir, wenn wir Leute treffen, sind es eher solche, die die Einsamkeit suchen. Mit Jausiers erreichen wir die Nordflanke des Col de la Bonette. Die erste Ausschilderung nach Nizza mitten im Dorf -Vorfreude kommt auf. Eigentlich wollten wir den Col de la Bonette heute noch passieren. Aufgrund der Panne mit der Kette ist allerdings die Zeit ziemlich verstrichen und zumindest pro forma ist der Pass auch noch wegen Schneefahrbahn gesperrt. „Das heißt morgen 160 Kilometer und über 3000 Höhenmeter bis nach Nizza. Ich bin nicht sicher, ob sich das ausgeht“ sage ich zu Henrik. Wir werden sehen…

Der nächste Morgen zeigt sich mit strahlender Sonne und warm. Das verheißt viel Gutes, wenn da nicht die nächste Panne -kruzifix. Henriks Bremshydraulik hat Luft gezogen und eine Bergauffahrt mit eingebauten Bremsbelägen am Hinterreifen ist nahezu unmöglich. Also werden kurzerhand die Beläge rausgezogen. Mir hingegen sitzen so allmählich die vielen Höhenmeter in den Beinen, endlos pedalieren wir nach oben, Vorankommen ist nicht mehr ganz so leicht möglich wie zu Beginn unserer Tour. Auf den Satz „Ich bin ziemlich fertig“ erwidert Henrik nur mehr, dass ich es ja so wollte, unsere Extremtour -Recht hat er.   Aber, der Strand von Nizza erscheint greifbar und zwar noch heute. An der Passhöhe des Col de la Bonette (2715 m) schießen wir ein fixes Foto vor der Beschilderung nach Nizza. Geschwind düsen wir hinunter nach St. Etienne-de-Tinee (1144 m), weiter über Isola (898 m) und das immer heißer werdende Tal hinaus bis auf   300 Meter über dem Meeresspiegel. Von da   wieder hinauf nach La Tour (615m) und in mehreren Auf und Ab mit mächtigen Rampen zuletzt durch einen alten Scheiteltunnel am Pass nach Utelle (850m). Von hier heißt es nach einem Downhill ins Tal der Vesubie noch ein letztes Mal hinauftreten nach Levens (520m). Es dämmert bereits als in einem kleinen Dorf nach gut 120 Kilometern ein gut gefüllter Feigenbaum und ein Brunnen daherkommen -ein Traum. Über Tourette-Levens rollen wir hinein ins nächtliche Nizza. Wir habens tatsächlich geschafft. 168km und 3300 Höhenmeter... Nach einem Eis und Abendessen geht es nur noch ins Bett.

Froh und dankbar gut gelandet zu sein und uns gemeinsam durch dieses Abenteuer gekämpft zu haben, verwöhnen wir unsere ausgezehrten Körper am Folgetag mit Croissant, Baguette, frischem Obst und Crepes am Mittelmeerstrand. Glücklich sind wir über diesen warmen Wind und das Meeresrauschen an der Promenade des Anglais und lassen diese erlebnisreichen Tage entspannt mit einer Schwimmeinheit ausklingen. „Gerade waren es doch noch -5 Grad am Fen ê tre de Durand, jetzt sind es über 30 Grad“ sage ich freudig zu Henrik. Es folgen noch zwei Tage in San Remo im italienischen Ligurien mit vielen Cappucin. Und da der Muskelkater schon wieder nachlässt, können wir uns zum zum Ausklang einer intensiven, wundervollen Zeit ein paar ligurische Trails nicht verwehren.

Juliane und Henrik

Anreise: mit der Bahn von Innsbruck nach Zürich, Umstieg in Zürich, Genf nach Martigny

Abreise: mit der Bahn von Sanremo nach Savona, Savona-Mailand, Mailand-Verona, Verona-Brenner, Brenner-Innsbruck

Inspiration: Achim Zahn- Transalp Extrem von Martigny nach Nizza          

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